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# Häufige Fragen

> Häufige Fragen zu Vermögen über mehrere Generationen, zu Governance und zum Continuity Compact.

## Warum scheitern die meisten Übertragungen von Familienvermögen?

Das Scheitern von Vermögensübertragungen geht überwiegend auf weiche Faktoren zurück und nicht auf die Anlageperformance. Die über 20 Jahre geführte Untersuchung der Williams Group zu 3'250 Familien hat die Ursachen genau aufgeschlüsselt: 60 Prozent der Fehlschläge gehen auf einen Zusammenbruch von Kommunikation und Vertrauen innerhalb der Familie zurück, 25 Prozent auf ungenügend vorbereitete Erben, 10 Prozent auf das Fehlen eines gemeinsamen Auftrags oder Zwecks der Familie und nur 5 Prozent auf andere Faktoren wie rechtliches, steuerliches oder professionelles Versagen (Williams Group, 2003). Die entscheidende Erkenntnis lautet, dass die grosse Mehrheit dieser Fehlschläge im Familiensystem selbst entsteht und nicht im Banken- oder Beratungssystem. Das bedeutet, dass die Lösungen weitgehend in den Händen der Familie selbst liegen. Die vielzitierte Schlagzeile, wonach «70 Prozent bis zur zweiten Generation die Kontrolle über ihr Vermögen verlieren», ist laut Grubman (2022) schlicht der Kehrwert der Fortführungsquote von 30 Prozent in der zweiten Generation aus John Wards Studie von 1987 zu 200 Industrieunternehmen in Illinois, einer einzelnen, eng gefassten Untersuchung, die das Überleben eines Unternehmens mit der Übertragung von Familienvermögen vermengt. Eine neuere Untersuchung von Owner.One (2024) unter 13'500 Gründern in 18 Ländern kam auf eine durchschnittliche Verlustquote von 34 Prozent, also deutlich tiefer. Dass Bordier & Cie selbst seit 182 Jahren besteht und sich in der fünften Generation in Familienbesitz befindet, zeigt indes, dass eine Vermögensübertragung über mehrere Generationen mit bewusster Governance und Vorbereitung nicht nur möglich, sondern von Dauer ist.

## Was ist eine Familienverfassung oder Familiencharta?

Eine Familiencharta ist ein formalisiertes schriftliches Dokument, das die leitenden Grundsätze, die Werte, den Auftrag und die Vision einer Familie festhält, daneben die Regeln für die Verwaltung des gemeinsamen Vermögens und für Entscheide über Governance und Nachfolge. Anders als rechtliche Dokumente wie Testamente oder Trusts ist eine Familiencharta nicht bindend, sondern dient als Rahmen für Klarheit und gemeinsame Ausrichtung. Sie behandelt in der Regel die Nachfolgeplanung, die Richtlinien zum Eigentum, die Verteilung des Erbes, die Kommunikationsprotokolle, den Umgang der Familie mit Philanthropie und Werten sowie die Mechanismen zur Beilegung von Streitigkeiten. Indem sie Erwartungen festhält, bevor sie gebraucht werden, verringert eine Familiencharta Konflikte und hält den Zweck der Familie über die Generationen hinweg beisammen.

## Wann sollte ich meine Kinder in Gespräche über das Familienvermögen einbeziehen?

Finanzbildung sollte früh beginnen und mit altersgerechten Begriffen fortschreiten. Kleine Kinder lernen Grundprinzipien wie Sparen, Zinseszins und wohltätiges Geben. Im Jugendalter sollten Erben mit den Grundlagen des Anlegens, mit betrieblichen Abläufen und mit den Verantwortlichkeiten in Berührung kommen, die Vermögen mit sich bringt. Die nachrückenden Generationen sollten mit der Zeit zunehmend Verantwortung übernehmen, statt beim Erbfall plötzlich die volle Befugnis zu erhalten. Dieses abgestufte Vorgehen, das mit Beobachtung beginnt, zu begrenzten Entscheiden übergeht (etwa einer kleinen Anlage oder einer Zuwendung aus einer Stiftung) und bis zur vollen Obhut fortschreitet, erlaubt es jüngeren Familienmitgliedern, die nötigen Fähigkeiten und das nötige Urteilsvermögen zu entwickeln, bevor sie Kapital erben.

## Was löst bei Vermögensübertragungen Konflikte in der Familie aus?

Konflikte in der Familie entstehen typischerweise aus unterschiedlichen Vorstellungen von Fairness, aus Geschwisterrivalitäten und aus dem Gefühl, übergangen oder zu wenig geschätzt zu werden. Spannungen wachsen, wenn Familienmitglieder die Gründe hinter den Entscheiden nicht verstehen und Annahmen die Lücken füllen. Die Family and Finance Study 2025 von Fidelity ergab, dass 52 Prozent der Eltern ihren erwachsenen Kindern ihr Vermögen nicht offengelegt und 68 Prozent keine Einzelheiten zum Erbe mitgeteilt haben. Zugleich sagen 95 Prozent der erwachsenen Kinder, sie fühlten sich bereit, ererbtes Vermögen zu verwalten, während nur 25 Prozent der Eltern zustimmen, dass ihre Kinder vorbereitet sind. Ohne einen offenen Dialog sowohl über finanzielle Fragen als auch über die zentralen Werte der Familie kann Vertrauen erodieren, und Missverständnisse können dauerhaften Groll säen. Neuere Untersuchungen zeigen, dass nur 27 Prozent der Amerikaner die Vermögensübertragung tatsächlich mit Familienmitgliedern besprochen haben, während 71 Prozent angeben, mit dem Thema gut umgehen zu können (Edward Jones, 2024).

## Wie gross ist die bevorstehende Vermögensübertragung zwischen den Generationen, und wie verteilt sie sich?

Das Ausmass ist aussergewöhnlich. Der World Wealth Report 2025 von Capgemini prognostiziert, dass bis 2048 weltweit 83,5 Billionen US-Dollar übertragen werden, mit einer regionalen Verteilung von 61 Prozent auf Amerika, 25 Prozent auf EMEA und 14 Prozent auf APAC (Capgemini, 2025). Für die Vereinigten Staaten prognostiziert Cerulli Associates 124 Billionen US-Dollar bis 2048, wovon 105 Billionen US-Dollar an Erben und 18 Billionen US-Dollar an wohltätige Zwecke fliessen. Die Übertragung wird konzentriert ausfallen: 30,9 Billionen US-Dollar stammen von sehr vermögenden Privatpersonen mit über 5 Millionen US-Dollar (bis 2033); 5,8 Billionen US-Dollar fliessen durch den asiatisch-pazifischen Raum (2023 bis 2030). In den Vereinigten Staaten werden Frauen voraussichtlich rund 47 Billionen US-Dollar erben (etwa 56 Prozent der US-Übertragung), bis 2030 einen wachsenden Anteil am Vermögen der US-Haushalte kontrollieren, und sie leben im Durchschnitt mehrere Jahre länger als Männer (Cerulli Associates, 2024). Die Hauptempfänger sind die Generation X (2026 im Alter von 46 bis 61 Jahren), gefolgt von den Millennials; bis 2040 werden die Generation X und die Generation Z zusammen die Mehrheit der sehr vermögenden Privatpersonen ausmachen.

## Was ist das Rahmenwerk The Continuity Compact?

The Continuity Compact ist ein Rahmenwerk aus vier Prinzipien, das darauf ausgelegt ist, Familienvermögen über Generationen hinweg zu übertragen, ohne den Konflikt mitzuübertragen. Die Prinzipien lauten: Govern (eine Familiencharta, einen Familienrat und klare Entscheidungsrechte einrichten, bevor sie gebraucht werden); Communicate (den Dialog zwischen den Generationen bewusst, regelmässig und sicher gestalten, da ein Zusammenbruch der Kommunikation die am besten belegte Hauptursache gescheiterter Übertragungen ist); Prepare (die nachrückenden Generationen durch frühe Einbindung und abgestufte Verantwortung ausbilden, damit Erben Fähigkeiten zusammen mit Kapital erben); und Endure (dauerhafte Strukturen und eine langfristige Beziehung treuhänderischer Obhut wählen, die jede einzelne Generation und jeden Marktzyklus überdauert). Dieses Rahmenwerk setzt bei den belegten Treibern einer gelungenen Vermögensübertragung an und überführt die Erkenntnisse aus drei Jahrzehnten Forschung zum Familienvermögen in die Praxis.

## Wie soll ein Familienrat arbeiten?

Ein Familienrat ist ein formalisiertes Governance-Gremium, in dem sich Familienmitglieder regelmässig treffen, um über das gemeinsame Vermögen, die Werte und die Entscheide zu sprechen. Wirksame Räte legen klare Sitzungsrhythmen fest (typischerweise vierteljährlich bis halbjährlich), dazu dokumentierte Traktanden und eine transparente Kommunikation sowohl über finanzielle Fragen als auch über den Zweck der Familie. Untersuchungen zeigen, dass regelmässige, strukturierte Familientreffen Missverständnisse und Konflikte deutlich verringern. Ein Familienrat bietet zudem ein sicheres Forum, in dem die nachrückenden Generationen die Obhut über Vermögen lernen, bevor sie es erben, und er kann über Anlagestrategie, wohltätiges Geben, betriebliche Abläufe und Änderungen an der Familien-Governance entscheiden. Der Rat verstärkt den Zweck der Familiencharta, indem er sie in die Praxis umsetzt. Wo eine professionelle Moderation eingesetzt wird, erweisen sich Räte als noch wirksamer darin, schwierige Gespräche zu führen.

## Warum ist eine stabile, langfristige Obhut in der Vermögensplanung wichtig?

Vermögen, das über Generationen übertragen wird, steht mehreren Gegenwinden gegenüber: Marktzyklen, Steueränderungen, unternehmerische Schwankungen sowie Verschiebungen in den Verhältnissen und Werten der Familie. Rund 70 Prozent der Erben wechseln bei grossen Vermögensübergängen den Berater, was das institutionelle Gedächtnis und die Kontinuität stört (Cerulli Associates). Eine stabile, langfristig angelegte Beziehung treuhänderischer Obhut mit einem vertrauten Berater oder Institut schafft eine Kontinuität, die über jeden einzelnen Marktabschwung und jeden familiären Übergang hinausreicht. Diese Stabilität erlaubt es einer Familie, eine Strategie über Jahrzehnte beizubehalten, die nachrückenden Generationen ohne Eile auszubilden und zu begleiten und Krisen mit der Führung einer Person zu bewältigen, welche die Geschichte, die Werte und die Ziele der Familie genau kennt. Familien mit verbindlichen, langjährigen Beraterbeziehungen weisen deutlich höhere Erfolgsquoten beim Erhalt des Vermögens und bei der Übertragung zwischen den Generationen auf.

## Was ist «geduldiges Kapital», und wie stützt es Vermögen über mehrere Generationen?

Geduldiges Kapital ist Kapital, das über einen mehrjährigen oder mehrere Jahrzehnte umfassenden Anlagehorizont gebunden ist, wobei der Investor bereit ist, auf unmittelbare Erträge zu verzichten, in der Erwartung einer nachhaltigen langfristigen Wertsteigerung. Privatbanken, Stiftungsvermögen, Staatsfonds und Family Offices stehen beispielhaft für Anbieter geduldigen Kapitals. Geduldiges Kapital ist das Gegenteil jener am Quartalsergebnis ausgerichteten Denkweise, die in börsenkotierten Finanzinstituten vorherrscht. Familien, die von Beratern betreut werden, welche den Grundsätzen des geduldigen Kapitals verpflichtet sind, erleben eine geringere Umschichtung im Portfolio, bessere langfristige Renditen und eine grössere emotionale Widerstandskraft über Marktzyklen hinweg. Die Bereitschaft des Beraters, Anlagen durch Abschwünge hindurch zu halten und der Versuchung zu widerstehen, sich durch ständiges Rebalancing zu beweisen, wird zu einer Form des Risikomanagements, die kurzfristiger orientierte Berater nicht bieten können.

## Was ist ein Schweizer Privatbankier, und warum ist dieser Rechtsstatus von Bedeutung?

Ein Schweizer Privatbankier nimmt nach schweizerischem Recht eine besondere rechtliche Stellung ein. Privatbankiers müssen ihr unbeschränktes persönliches Vermögen als Sicherheit gegen den Verlust von Kundenvermögen verpfänden, und sie haften persönlich für ihre geschäftlichen Verpflichtungen. Daraus entsteht ein treuhänderisches Verhältnis von aussergewöhnlicher Verantwortlichkeit: Das eigene Vermögen des Bankiers steht neben Ihrem auf dem Spiel. Nur eine kleine Zahl von Bankinstituten in der Schweiz erfüllt heute noch vollständig die Anforderungen an einen echten Privatbankier mit unbeschränkter Haftung der Teilhaber, und Bordier & Cie gehört dazu. Diese Rechtsstellung spiegelt ein Governance-Modell, das bewusst auf die langfristige Obhut von Familienvermögen über Generationen hinweg ausgelegt ist.

## Wie helfen Trusts bei der Vermögensübertragung über mehrere Generationen?

Ein Trust ist eine rechtliche Gestaltung, bei welcher ein Trustee Vermögenswerte zugunsten von Begünstigten nach den von Ihnen festgelegten Bedingungen hält und verwaltet. Für die Planung über mehrere Generationen können Strukturen wie Dynasty Trusts die Vermögensübertragung über Jahrzehnte erleichtern, Steuern minimieren und Vermögenswerte vor den Gläubigern der Begünstigten oder vor unklugen persönlichen Entscheiden schützen. Trusts erlauben es Ihnen, genau zu bestimmen, wer was, wann und unter welchen Bedingungen erhält, und schaffen damit eine Kontinuität, die jede einzelne Generation überdauert. Zusammen mit einer abgestimmten Planung von Nachlass, Steuern, Anlagen und Familien-Governance bilden Trusts ein tragfähiges Rückgrat für eine langfristige Obhut.

## Welche Rolle spielen Frauen in der bevorstehenden Vermögensübertragung zwischen den Generationen?

In den Vereinigten Staaten werden Frauen voraussichtlich rund 47 Billionen US-Dollar erben (etwa 56 Prozent der Übertragung zwischen den Generationen bis 2048) und bis 2030 einen wachsenden Anteil am Vermögen der US-Haushalte kontrollieren (Cerulli Associates, 2024). Frauen leben im Durchschnitt mehrere Jahre länger als Männer, woraus ein Obhutshorizont von 40 bis 50 Jahren entsteht. Zugleich erhalten erbende Frauen deutlich weniger Kommunikation und Vorbereitung im Vorfeld des Erbfalls als männliche Erben.

Die Studie Own Your Worth 2025 von UBS ergab, dass eine von drei erbenden Frauen zuvor kein Gespräch über die Übertragung mit ihrer Familie geführt hatte und dass 80 Prozent der Frauen, die geerbt haben, auf unerwartete Schwierigkeiten stiessen, weil ihnen eine angemessene Vorbereitung fehlte. Familien sollten Governance-Rahmen entwickeln, die das Geschlecht berücksichtigen und längeren Vermögenshorizonten, anderen philanthropischen Prioritäten und der besonderen Unterstützung Rechnung tragen, die Frauen benötigen können, wenn sie ein Erbe antreten, ohne zuvor in die finanziellen Entscheide der Familie einbezogen gewesen zu sein.

## Was sollte eine Familiencharta tatsächlich enthalten?

Eine Familiencharta hält die Vision, die Werte und die Vermögensphilosophie einer Familie fest und übersetzt sie anschliessend in konkrete Regeln darüber, wer was und wann entscheidet. In der Praxis umfasst sie typischerweise Abschnitte zur Vision und zum Auftrag der Familie; zu den Grundsätzen für die Verwendung des Vermögens und für dessen Obhut; zu den Kriterien für die Beteiligung von Familienmitgliedern an unternehmerischen oder anlagebezogenen Entscheiden; zu den Rollen und Verantwortlichkeiten von Governance-Gremien wie einem Familienrat; zu den Regeln für Ausschüttungen, Anstellung und Ausbildung; zu den Verfahren für die Aufnahme neuer Mitglieder durch Heirat; und zu den Mechanismen, mit denen Streitigkeiten ohne Prozess beigelegt werden. Sie ist kein bindendes Rechtsinstrument wie ein Testament oder ein Trust, sondern ein Rahmen für Klarheit und gemeinsame Ausrichtung. Die Disziplin, eine solche zu verfassen, zahlt sich messbar aus: Familien mit einer Verfassung stufen ihre Kommunikation doppelt so häufig als wirksam ein und erreichen 1,5-mal so häufig eine wirksame gemeinsame Entscheidungsfindung (UBS & Agreus, 2025).

## Wie oft sollte ein Familienrat tagen?

Ein Familienrat ist ein formelles Forum, das typischerweise ein- bis viermal jährlich zusammenkommt und in dem Mitglieder mehrerer Generationen die finanziellen Angelegenheiten, die Werte, die langfristigen Ziele und mögliche Unstimmigkeiten der Familie besprechen. Der Takt zählt weniger als die Beständigkeit: Entscheidend ist ein regelmässiger, von der Familie gewählter Rhythmus, ob vierteljährlich, halbjährlich oder jährlich, mit einer im Voraus erstellten und allen Teilnehmenden zugestellten Traktandenliste. Der Rat sollte Mitglieder aus mindestens zwei Generationen umfassen, finanzielle von zwischenmenschlichen Gesprächen trennen und ein Protokoll führen, das die Pendenzen zwischen den Sitzungen nachverfolgt. Eine Umfrage von Cerulli Associates (2024) ergab, dass 89 Prozent der Unternehmen Familientreffen und regelmässige Kommunikation als eine zentrale bewährte Praxis für gelungene Generationenübergänge bezeichnen, während zugleich nur 39 Prozent der Erwachsenen im Vereinigten Königreich überhaupt je mit ihren Familien über Erbschaftspläne gesprochen haben (Brodies, 2024).

## Wie sollte eine Familie die Entscheidungsrechte unter ihren Mitgliedern verteilen?

Unklarheit darüber, wer bei bestimmten Entscheiden die Befugnis hat, ist eine häufige Quelle von Reibung zwischen den Generationen, weshalb ein Governance-Rahmen die Entscheidungsrechte ausdrücklich zuweisen sollte. Eine Familie mit Bezug zu mehreren Rechtsordnungen könnte in ihrer Charta etwa vereinbaren, dass der Familienrat über Ausschüttungen oberhalb einer bestimmten Schwelle abstimmt, während laufende betriebliche Ausgaben von einem Exekutivausschuss bewilligt werden; dass die Anlagestrategie von einem Anlageausschuss festgelegt wird, dem auch ein Vertreter der jüngeren Generation angehört, der die Rolle erlernt; dass Entscheide über das Familienunternehmen den Konsens der Aktionäre erfordern, mit einem definierten Verfahren zur Streitbeilegung, falls kein Konsens zustande kommt; und dass die Regeln zu Ausbildung und beruflichem Werdegang vom Rat gesetzt werden, während die einzelne Berufswahl das Vorrecht jedes Mitglieds bleibt. Diese scheinbar einfachen Unterscheidungen verhindern Streit, wenn sich die Umstände ändern. Ohne sie kann sich ein junger Erbe ausgeschlossen fühlen, ein zurücktretender Gründer ungehört, oder Geschwister sind sich beim Risiko uneins. Klare Protokolle sorgen dafür, dass Uneinigkeit nicht zu einem existenziellen Konflikt wird.

## Wann und wie sollte die Vorbereitung der Erben beginnen?

Vorbereitung gelingt am besten als abgestufte Einbindung über Jahre hinweg, nicht als einmaliger Kurs. Sie sollte früh beginnen, mit altersgerechten Begriffen: Kleine Kinder lernen Sparen, Zinseszins und wohltätiges Geben; im Jugendalter kommen Erben mit den Grundlagen des Anlegens und mit den Verantwortlichkeiten in Berührung, die Vermögen mit sich bringt. Ab dem frühen Erwachsenenalter weicht die strukturierte Beobachtung dem eigenen Beitrag, oft über einen Juniorsitz in einem Anlageausschuss, in dem die nächste Generation die Entscheidfindung beobachtet, danach Ideen einbringt und schliesslich schrittweise Verantwortung übernimmt. Es folgen begrenzte, an den Werten ausgerichtete Einstiegspunkte: die Führung eines Satellitenportfolios, einer kleineren Immobilienbeteiligung oder einer philanthropischen Initiative, bevor die Kernanlagen in Obhut genommen werden. Das ist deshalb von Bedeutung, weil ungenügend vorbereitete Erben für 25 Prozent der gescheiterten Vermögensübertragungen verantwortlich sind, während nur 23 Prozent der Mitglieder der nächsten Generation vollständig oder sehr gut auf das Erbe vorbereitet sind (Williams Group, 2003; UBS & Agreus, 2025).

## Lassen sich Philanthropie oder eine Familienstiftung nutzen, um die nächste Generation auszubilden?

Philanthropie wird als Instrument der Vorbereitung häufig übersehen, dabei bietet sie einen der sichersten Rahmen, um Obhut in der Praxis zu lernen. Eine Familienstiftung oder ein Spendenkonto erlaubt es der nächsten Generation, eigenständige Entscheide über nennenswerte Beträge zu treffen, Folgen zu beobachten, Urteilsvermögen aufzubauen und Fähigkeiten im Umgang mit Anspruchsgruppen zu entwickeln, und dies alles in einem begrenzten, an den Werten ausgerichteten Rahmen. Man denke an eine 25-jährige Erbin, die drei Jahre lang den Förderausschuss einer Stiftung präsidiert hat: Sie hat Zuwendungen nach eigenem Ermessen vergeben, Gesuche beurteilt, die Dynamik eines Gremiums geführt und Uneinigkeit über Prioritäten bewältigt und dabei in einem Umfeld mit geringerem Einsatz Entscheidungskraft aufgebaut. Ein Fehlschlag bei einer Zuwendung trifft deren Empfänger, nicht aber das Kernkapital der Familie. Dieselbe Logik gilt für die Mitarbeit in einem operativen Unternehmen.

Ocorian (2024) stellte fest, dass 73 Prozent der Family Offices die philanthropischen Aktivitäten heute neben der Vermögensverwaltung betreuen, womit das Geben der Familie zur Governance-Infrastruktur wird und nicht zur Nebensache.

## Vor welchen besonderen Herausforderungen stehen erbende Frauen?

In den Vereinigten Staaten werden Frauen voraussichtlich rund 47 Billionen US-Dollar erben, etwa 56 Prozent der Übertragung bis 2048, und bis 2030 einen wachsenden Anteil am Vermögen der Haushalte der Vereinigten Staaten kontrollieren (Cerulli Associates, 2024). Da sie im Durchschnitt mehrere Jahre länger leben als Männer, nehmen sie Vermögen über Horizonte von 40 bis 50 Jahren in Obhut statt über die historischen 25 bis 30 Jahre. Dennoch gehen die Rahmen für die Vorbereitung nur selten auf ihre besondere Lage ein. UBS Own Your Worth (2025) stellte fest, dass eine von drei erbenden Frauen zuvor kein Gespräch über das Vermögen mit der übertragenden Person geführt hatte und dass 80 Prozent erhebliche Schwierigkeiten hatten, ein Erbe ohne Plan zu bewältigen. Frauen erben zudem häufiger unvermittelt von einem Ehepartner als über eine geplante Unternehmensnachfolge. Die Lücke in der Vorbereitung ist eine Frage der Gelegenheit und nicht der Fähigkeit: Die Daten zeigen keinen nennenswerten Unterschied in den Fähigkeiten, und Familien, die weibliche Erben mit derselben Sorgfalt fördern, schliessen sie vollständig.

## Was ist ein Kontinuitätsaudit, und warum ist es von Bedeutung?

Ein Kontinuitätsaudit ist ein dokumentiertes Verzeichnis der Informationen zum Familienvermögen, der Abhängigkeiten in der Nachfolge und des institutionellen Gedächtnisses, das laufend nachgeführt wird und den dafür bezeichneten Familienmitgliedern und Treuhändern zugänglich ist. Es besteht aus drei Bestandteilen: einem vertraulichen digitalen Register der Konten, der Zugangsprotokolle und der Bestände, mit dem Governance-Kontext dazu, weshalb jeder Vermögenswert existiert und wer ihn ändern darf; einem Dossier der Nachfolgedokumente mit Testamenten, Trusturkunden, Chartas und Steuerplanungsunterlagen, jeweils mit einer einseitigen Zusammenfassung des Problems, das sie lösen, und der Annahmen dahinter; und einem Verzeichnis, das festhält, wo sich alles befindet, und das Berater, Aufbewahrungsorte von Dokumenten und Governance-Gremien abbildet, in der Regel 5 bis 10 Seiten stark und jährlich aktualisiert. Von Bedeutung ist es deshalb, weil die Nachlassverfahren und Nachlasseingaben bei den Gerichten der US-Bundesstaaten zwischen 2020 und 2024 um rund 32 Prozent zugenommen haben, wobei Informationslücken eine Hauptursache sind (IndexBox, 2025).

## Wie verlieren Familien über die Generationen hinweg ihr institutionelles Gedächtnis?

Wenn diejenige Person, welche die Informationen zum Familienvermögen verwahrt, unerwartet stirbt oder kognitiv abbaut, kann Wissen dauerhaft verloren gehen. Der Informationsverlust umfasst mehr als die Fundorte von Konten und deren Zugänge, so wesentlich diese für sich schon sind. Familien verlieren den institutionellen Kontext: die Begründung für überkommene Positionen, die ein Erbe sonst aus einem Impuls heraus verkaufen könnte; Beziehungen zu Beratern, deren Verständnis der Familie über Jahre gewachsen ist; dokumentierte Entscheide und die Grundsätze, die sie geleitet haben; sowie die Lehren aus früheren Übergängen. Ein sorgfältig aufgebautes Immobilienportfolio eines Gründers, entstanden aus einer bestimmten langfristigen und steuerlich effizienten Überlegung, kann von einem Erben zerlegt werden, der die Vermögenswerte erbt, nicht aber die Überlegung dahinter. Ein vor Jahrzehnten aus guten Gründen errichteter Offshore-Trust kann unpassend aufgelöst werden, wenn sein Zweck nicht verstanden wird. Bei der Abwicklung summieren sich die Kosten: Bestrittene Nachlässe dauern im Durchschnitt 18 Monate bis 3 Jahre, wobei die Rechtskosten 3 bis 7 Prozent des Nachlasswerts aufzehren.

## Wie sollte eine Familie zwischen Trusts, Stiftungen und Familien-Investmentgesellschaften wählen?

Bei der Wahl zwischen diesen Strukturen geht es nicht in erster Linie um die Minimierung von Steuern, so wichtig diese ist; es geht im Kern darum, eine Kontinuität des Zwecks zu schaffen. Trusts trennen über eine Urkunde das Eigentum von der Kontrolle, schützen Vermögenswerte vor Gläubigern, Scheidung und Prozessen und erlauben es dem Begründer zugleich, Regeln festzulegen, die über Generationen fortbestehen; Dynasty Trusts können dort, wo sie zulässig sind, unbefristet dauern. Familieninvestmentgefässe wie Holdinggesellschaften und Kommanditgesellschaften dienen als institutionelle Hülle für langfristiges Kapital, behalten Erträge und legen sie wieder an, statt sie bei jedem Übergang aufzusplittern, und können Aktienkategorien schaffen, die jüngeren Mitgliedern eine abgestufte Teilhabe an der Governance geben. Familienstiftungen betten Vermögen in einen gemeinnützigen Auftrag ein und verwandeln es in eine dauerhafte Institution mit eigener Governance und eigener Rechtspersönlichkeit. Jede Form spiegelt andere Prioritäten in Bezug auf Kontrolle, Flexibilität und Langlebigkeit. Eine sorgfältig verfasste Urkunde, Charta oder Verfassung wird zum Betriebssystem der Familie und verringert die Notwendigkeit, bei jedem Übergang neu zu verhandeln.

## Wie sollte eine Familie Vermögen und Governance über mehrere Rechtsordnungen hinweg führen?

Eine Familie, die zwischen Steuerhoheiten wechselt, zwischen Regulierungsumfeldern umzieht oder deren Mitglieder über Kontinente verteilt sind, muss eine Governance einrichten, die zugleich flexibel genug ist, um sich an neue Rechtsordnungen anzupassen, und dauerhaft genug, um die administrative und emotionale Komplexität einer Migration zu überstehen. Das ist längst kein Einzelfall mehr: Für 2025 wurde prognostiziert, dass 142'000 vermögende Privatpersonen ihren Wohnsitz verlegen, und Vermögensübertragung und Wohnsitzwechsel, historisch getrennte Entscheide, fallen heute oft in ein einziges Zeitfenster mit hohem Einsatz zusammen (Henley & Partners, 2025). Der Familienrat, der sich vierteljährlich in Genf trifft, lässt sich schwerer aufrechterhalten, wenn die erwachsenen Kinder in Mumbai, Dubai und New York leben, doch kann sich eine solche Familie nicht auf eine informelle Governance verlassen: Sie braucht schriftliche Protokolle, klare Entscheidungsrechte und einen Verwalter, der jede einzelne Rechtsordnung kennt. Sich an ein Institut zu binden, das an jedem dieser Orte präsent ist, bewahrt die Kontinuität der Beratung, während Wettbewerber mit einem Modell an einem einzigen Standort eine kostspielige Übergabe bei null beginnen müssen.

## Warum wechseln Erben bei einem Übergang so oft den Berater, und wie lässt sich diese Einbusse vermeiden?

Wenn ein Gründer stirbt oder sich zurückzieht, stehen die Erben an einem entscheidenden Punkt: Sie überprüfen den Berater, den Anlageansatz, die Gebührenstruktur und die Übereinstimmung der Werte neu. Laut Cerulli Associates (2024) wechseln 70 Prozent der Erben bei grossen Übergängen den Berater vollständig, und nur 27 Prozent der künftigen Begünstigten haben vor, den Berater ihres Erblassers zu behalten. Die verborgenen Kosten sind hoch: Ein neuer Berater benötigt Monate, um die Geschichte der Familie, die Zusammensetzung des Kapitals, eingebettete Steuerstrategien und die tatsächliche Risikotoleranz der Familie zu verstehen. Wissen geht verloren, und das Portfolio wird anfällig für Umschichtungen. Das Gegenmittel heisst Beziehung vor der Krise. Ein Erbe, der die Bankiers, Anwälte und Trustees der Familie getroffen hat, bevor er sie brauchte, und der den Berater als Person kennt, wird ihn mit weit höherer Wahrscheinlichkeit behalten. Damit wird aus einer persönlichen Abhängigkeit eine institutionelle Kontinuität.

## Wie hilft eine neutrale Moderation bei schwierigen Familiengesprächen?

Familiäre Dynamiken hindern Eltern und Kinder oft daran, einander ohne Vermittlung klar zuzuhören. Eine erfahrene Moderation, sei es eine Familienpsychologin, ein vertrauter Berater oder eine Fachperson für Governance, sorgt dafür, dass Gespräche nicht zu Belehrungen werden, dass alle Stimmen gehört werden und dass emotionale Auslöser den Dialog nicht entgleisen lassen. Das Bedürfnis ist weit verbreitet, wird aber selten gedeckt: RBC Wealth Management (2025) stellte fest, dass 65 Prozent derjenigen, die Vermögen weitergeben, und 94 Prozent derjenigen, die Vermögen erhalten, professionelle Unterstützung bei Gesprächen über das Erbe wünschen, während weniger als ein Drittel der Familien je darum gebeten hat. Ein neutraler Vorsitz führt zudem die Diskussion im Familienrat und wahrt jene psychologische Sicherheit, die es erlaubt, schwierige Themen, abweichende Werte, frühere Scheidungen, ungleiche Erbteile, im Gespräch zur Sprache zu bringen, statt sie in einer Krise ausbrechen zu lassen. Das Vorhandensein einer solchen Moderation ist eine der Dimensionen, die der Continuity Index unter der Säule Communicate bewertet.

## Wie gibt eine Familie ihre Werte weiter und nicht nur ihr Kapital?

Viele Erben erben das Kapital, nicht aber den Zweck. Eine Familie mag ihr Vermögen durch geduldiges, langfristiges Denken aufgebaut haben, dies aber nur stillschweigend vermitteln, und ein Erbe, der Vermögen in erster Linie als Mittel zum persönlichen Konsum versteht, wird es ganz anders in Obhut nehmen als jemand, der darin ein Gefäss für Erbe und Kontinuität sieht. Familienräte und Chartas erfüllen neben ihrer Governance-Funktion einen bildenden Zweck: Sie sind Foren, in denen Werte ausgesprochen und geprüft werden. Ein junger Erbe, der an einer bewussten Diskussion darüber teilnimmt, «wofür unser Vermögen unseres Erachtens da ist», verinnerlicht die Kultur der Familie, sodass er beim Erbfall eine Vision umsetzt, an deren Aufbau er beteiligt war, statt bei null zu entscheiden. Auch ein langjähriger Privatbankier trägt dazu bei, indem er dokumentiertes Wissen über die Werte der Familie und über die Gründe bewahrt, aus denen bestimmte Positionen bestehen. Diese gemeinsame Ausrichtung verringert Konflikte nach dem Erbfall und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Obhut über die Generationen hinweg fortbesteht.

## Worin unterscheiden sich Vertraulichkeit und Vertrauen?

Vertraulichkeit ist ein Produkt; Vertrauen ist eine Beziehung, und diese Unterscheidung ist zugleich die Unterscheidung zwischen einem Anbieter und einem Verwalter. Die geringere Grösse einer Privatbank, ihre langjährigen Beziehungen und ihr Familienbesitz schaffen Voraussetzungen für eine echte Vertraulichkeit, die grosse, breit aufgestellte Institute nicht bieten können: Ein Bankier, dessen eigener Ruf und dessen persönliches Vermögen von seiner Verschwiegenheit abhängen und dessen Haus keine Verpflichtung hat, neue Vermögen einzuwerben oder mediale Sichtbarkeit zu suchen, handelt unter grundlegend anderen Anreizen, wenn es um die Weitergabe von Informationen geht. Strukturen der Familien-Governance, Nachfolgepläne und heikle persönliche Verhältnisse lassen sich so mit minimalem Risiko eines Durchsickerns besprechen. Doch Verschwiegenheit allein ist noch nicht die Beziehung. Grégoire Bordier hat dazu festgehalten: «Wir dachten, das Bankgeheimnis sei ein zentrales Verkaufsargument, doch heute sehen wir, dass wir weit danebenlagen. Vertrauen ist der zentrale Faktor in der Beziehung zwischen Kunden und ihrer Bank.» Für eine Familie, die über Generationen plant, beruht eine offene Planung auf Vertrauen, mit der Vertraulichkeit als dessen Voraussetzung.

## Warum ist ein langfristig angelegtes Institut für die Kontinuität einem einzelnen Berater überlegen?

Weil eine Privatbank darauf angelegt ist, jede einzelne Person zu überdauern, wird das Institut selbst zum stabilen Bezugspunkt einer Familie über die Generationen hinweg. Die Beziehung besteht nicht zu einem Portfoliomanager, der den Arbeitgeber wechselt, sondern zu einem institutionellen Rahmen: einem bestimmten Standort, einer gefestigten Governance und einem dokumentierten hauseigenen Umgang mit Risiko und Diskretion. Ein einzelner Berater, so fähig er sein mag, bringt einen einzelnen Ausfallpunkt mit sich, denn mit seiner Pensionierung endet die Kontinuität, während ein Institut, das seine eigene Nachfolge plant, die Beziehung über die Übergänge hinweg trägt. Über eine Generationenspanne von 50 Jahren werden die Aktienmärkte mehrfach einbrechen, werden sich Währungen um 30 bis 40 Prozent bewegen und werden sich die Steuergesetze ändern; ein Institut bewahrt die Erinnerung daran, wie die Familie jedes dieser Ereignisse überstanden hat. Dass Bordier & Cie 182 Jahre und fünf Generationen überdauert hat, mit einer Quote des Common Equity Tier 1 von rund 30 Prozent und einer schuldenfreien Bilanz, zeigt, dass institutionelle Strukturen, die auf das Überdauern jedes einzelnen Zyklus ausgelegt sind, genau das sind, was Beständigkeit erfordert (Bordier & Cie, 2026).

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